Home

Tests

Archiv

Gästebuch

Mein 924 
und mehr ...

Fotostories
 

zurück
weiter

 
Nissan 300 ZX gegen Porsche 944 (3)    sportauto        08/1984
 Der 300 ZX hat sich natürlich auch in seinem 
 Grundpreis an das schwäbische Sportwagen-
 Gewächs herangepirscht - in der Motor-Nenn-
 leistung konnte er den 163 PS-Porsche bereits 
 Überholen (der 280 ZX leistete noch 150 PS). 
 Ein Preis von 40 000 Mark für den von Grund 
 auf überarbeiteten ZX darf jedoch als faires 
 Angebot bezeichnet werden. Der nicht nur im 
 Styling veränderte 300er (ein echter ZX ist er 
 aber trotz neuer Front mit Klappscheinwerfern 
 und sonstiger Detail-Neuheiten geblieben) bietet 
 jedenfalls eine solche Fülle an serienmäßigen 
 Ausstattungsmerkmalen, dass es zumindest 
 den Porsche-Marketingmanagern schwindelig 
 werden dürfte. Dazu zählen unter anderem: 
 elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare 
 Außenspiegel, höhenverstellbarer Fahrersitz, 
 Tempomat, Alu-Räder, Stereo-Kassettenradio, 
 getönte Scheiben, Scheinwerfer-Reinigungsan-
 lage und nicht zuletzt von innen elektrisch ver-
 stellbare Stoßdämpfer.Besonders das zuletzt 
 erwähnte Detail verdient eine separate Würdigung. 
 Schließlich ist die Steuerung der Gasdruck-Stoß-
 dämpfer vom Cockpit aus einzigartig im aktuellen 
 Serien-Automobilbau. Diese Einrichtung ist beim 
 ZX im Gesamtzusammenhang mit der Überarbei-
 tung des Fahrwerks mit McPherson-Federbeinen 
 vorne und Schräglenker-Hinterachse zu sehen. 
 Die Frage war: Würde der neue Nissan-Sportwa-
 gen dem Handling-Musterknaben von Porsche das 
 Wasser reichen können?
 Die Antwort ist eindeutig: nein. Nicht nur das Ge-
 wicht ist ein eklatantes Handicap für den ZX
 gegenüber dem Transaxle-Sportwagen aus
Zuffenhausen. Auch die Lenkung erschwert 
eine betont sportliche Fortbewegung.Tests
im Motodrom von Hockenheim machten 
deutlich, dass die drehzahlabhängige ZX-
Lenkung bei schnellen Richtungs- und Gas-
wechseln überfordert ist: Die Lenkhilfe rea-
giert dann zu träge, so dass sich im ungüns-
tigen Fall, im Moment des Einlenkens, die 
Widerstände zur Verblüffung des Fahrers 
enorm erhöhen. Dagegen kann sich bei 
gleichmäßiger Motor-Belastung die feinfühlige 
Lenkung als zu sensibel erweisen: Bei langer 
Autobahn-Reise wird dieses Gebahren freilich 
eher noch als überaus angenehm registriert. 
So ähnlich gilt dies auch für den "Stoßdäm-
pfer-Trick". Bei den Hockenheimer Fahrtests 
machte sich die in drei Stufen (weich, normal 
und hart) elektronisch regelbare Stoßdämpfer-
Einstellung nur minimal durch bessere Zeiten 
bemerkbar. Auf unebenen Strecken jedoch 
kann durch die "Soft-Stufe" eine Linderung der 
Fahrbahnstöße erzielt werden. Insgesamt wird 
das Handling des 300 ZX aber geprägt vom ho-
hen Wagen-Gewicht. In Bereichen, wo der spür-
bar unkomfortabler gefederte 944 noch Sportwa-
gen-gerecht neutral und fast ohne Karosserie-
neigung Kurven durcheilt, schiebt der ZX bereits 
über seine Breitseite. Seine Sicherheitsreserven 
sind dennoch üppig. Die eingangs augestellte 
Behauptung, der Porsche 944 werde nunmehr 
aus Japan bedrängt, kann resümierend nur 
unterstrichen werden. Der Sportwagen aus 
Zuffenhausen wird jedoch bedrängt von einem 
Coupé, das mehr sportlich, denn Sportwagen 
zu nennen ist.