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Goldie mit Turbo-Power (2)                       Artikel aus Rallye-Racing 10/79
 
 
Die Tachonadel klettert stetig. 
Zügig nähert sich der Zeiger 
der 140 Meilen-Marke. Mit
mehr als 210 km/h jagt der 
schwarze Porsche Speedster
über das sechsspurige Beton-
band der US 155, die in weiten 
Bögen von der Küste weg in 
die Berge Kaliforniens führt.
"Wenn hier irgendwo Bullen
stehen", brüllt Frank Reisner 
gegen den Lärm des Vierzy-
linder-Boxermaschine, "hilft
nur noch beten!"
Die Sorge des Porsche-Eig-
ners aus Santaa Ana bei 
Los Angeles ist berechtigt:
Bleifuß-Jagden, fast 90 Mei-
len schneller, als die Polizei
erlaubt, wirken angesichts 
des 55 Meilen-Limits und 
ständiger Radarkontrollen
auf amerikanischen Auto-
bahnen reichlich fehl am
Platze. Wer auf den breiten,
kaum befahrenen Highways
dem Geschwindigkeitsrausch
verfällt, muß hier mit herber
Ernüchterung rechnen: 
Bestenfalls kommt er mit ein-
em 100 Doller-Loch-200 Mark- 
in der Brieftasche davon.
Doch hinter dem Lenkrad von
Frank Reisners Super-Speedster 
ist jegliche Vernunft schnell ver-
gessen. Erst jenseits der 140
Meilen-Marke bremst der Motor
den Tatendrang des Fahrers:
Allmählich schwinden den 148
munteren Pferdchen im 
Speedster-Heck die Kräfte.
Dem "gewöhnlichen" Porsche
Speedster - von 1954 bis 1958
in Zuffenhausen gebaut - wäre
freilich schon früher der Dampf
ausgegangen. Je nach Ausführ-
ung brachte der 1600 ccm-Motor 
des flotten Zweisitzers seinerzeit
zwischen 60 und 90 PS zuwege.
Mehr als 190 km/h waren damit
nicht zu erreichen. Die Sportwa-
gen-Fans in Amerika gaben sich
damit vollauf zufrieden. 
Schließlich war der 356 Speedster 
- getreu dem Motto "it never rains 
in California" als offener Renner 
gebaut - eigens für den amerikan-
ischen Markt konzipiert worden. 

Der Erfolg gab den Zuffenhausenern 
recht: Die 2500 gebauten Speedster 
gingen weg wie warme Semmeln, 
obgleich der Stückpreis von 16 000 
bis 18 000 Mark für damalige 
Zeiten nicht gerade bescheiden
ausgefallen war. Wer sich heutzu-
tage den Speedster-Luxus leisten 
möchte, wird allerdings wesentlich
kräftiger zur Kasse gebeten: 
"Unter 50 Riesen", wissen Insider,
"ist da nichts zu machen." Doch 
selbst Speedster-Fans, die über 
genügend Bares verfügen, können 
meist von ihrem Schwarm nur 
träumen; denn wer einmal einen 
der raren Renner ergattert hat, wird
sich hüten, ihn wieder zu verkaufen.
Zu den Leuten, die seit mehr als 
20 Jahren von einem Porsche Speed-
ster träumten, zählte bis vor kurzem
auch Mr.Reisner aus Los Angeles. 
Doch vor nicht allzu langer Zeit 
schritt der gebürtige Ungar zur Tat: 
er baute sich den TurboSpeedster 
kurzerhand selbst. An den nötigen 
Erfahrungen mangelte es dem 
47jährigen Selfmade-Man freilich 
nicht: Als er 1958 zum erstenmal 
in Italien war, blieb Autonarr Reisner
bei einem dortigen Karroserie-
schneider hängen. Hier unternahm 
er seine ersten