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Das blaue Wunder  (3) AMS        13/1986
Jedenfalls: Es gab eine Menge 
Porsche 935, die von Amerikanern 
wie Dick Barbour, Preston Henn 
und den Whittington-Brüdern ein-
gesetzt worden waren, und sie 
hatten jeweils zum Auto auch gleich 
fixe Jungs wie Rolf Stommelen und 
Klaus Ludwig für Le Mans- und 
Daytona-Siege engagiert.
Die 935 fielen auch in jene Zeit, als 
in der Formel 1 ein neuer Mann 
auftauchte. Walter Wolf ist Austro-
Kanadier, spricht den lyrischen 
steirisch-englischen Dialekt und 
war im Windschatten von Off-shore-
Ölbohrungen ziemlich reich geworden, 
mit der üblichen Tellerwäscher-Aus-
wanderer-Karriere. 1977 war er in der 
Formel 1, mit aller Kraft des erfolg-
reichen Selfmademillionärs, und die 
zeigt ja stets in Richtung Gewinn. 
Jody Scheckter gewann beim ersten 
Einsatz den ersten Grand Prix für 
Wolf - die Welt war um eine Legende 
reicher.
Nach drei Jahren, einer knapp 
verpaßten Weltmeisterschaft 
und drei Grand Prix-Siegen war 
die Lust am Formel 1-Spielzeug 
verpufft. Wolf verlagerte sein Be-
dürfnis nach Wettbewerb in den 
privaten Bereich und klopfte 1983 
bei Porsche Kremer in Köln an. 
Er hätte gerne einen 935, im 
Mitternachtsblau seiner Rennwagen 
und mit dem roten W-Wolf-Zeichen 
auf Fronthaube, Heck und Flanken. 
Die Kremers, 935-Tuner von hohen 
Gnaden, antworteten sinngemäß: 
Im Prinzip kein Problem, man müsse 
nur wissen, mit welcher Fahrwerks-
abstimmung der Wagen geliefert
werden solle: Le Mans, Daytona oder 
Nürburgring? Wolf antwortete knapp: 
Straße, Landstraße, Bundesstraße, 
Staubstraße, Autobahn, Schnellstraße 
- was es halt so an Straßen gäbe für 
einen 935 mit amtlichen Polizeikenn-
zeichen. Geld wäre dabei nicht das 
größte aller Probleme.
Zirka 300 000 Mark später war der 
einzige straßentaugliche Porsche 
935 fertig. Der Kontakt zwischen 
Bauherren udn Auftraggeber war 
freundschaftlich geworden und 
verlief meistens so: "Walter, wie 
willst du Kupplung und Bremse, wir 
können dir ja alles individuell einstel-
len?" - "Wie im Rennwagen." - 
"Schaltung und Getriebe?" - 
"Wie im Rennwagen"... und so weiter. 
Der Wolf-935 ist um etwa 150 Kilo-
gramm schwerer als eine reine 
Rennausführung, hauptsächlich wegen 
der Stereoanlage mit 16 Lautsprechern 
und etwas Holz und Dämm-Material 
unter der hinteren Abdeckung über der 
Motorhaube. Wolf hatte sich , als 
kavalierhafte Verbeugung vor Schön-
heitsköniginnen am Beifahrersitz auch 
eine Klimaanlage gewünscht, weil seine 
Lieblingsstraßen eher im mediterranen
Klima lägen, und die Kremers hatten 
sehr sachlich geantwortet: "Walter, es 
ist technisch besser, wenn du mit einem 
Polohemd fährst."