Jedenfalls: Es gab eine
Menge
Porsche 935, die von Amerikanern
wie Dick Barbour, Preston
Henn
und den Whittington-Brüdern
ein-
gesetzt worden waren, und
sie
hatten jeweils zum Auto
auch gleich
fixe Jungs wie Rolf Stommelen
und
Klaus Ludwig für Le
Mans- und
Daytona-Siege engagiert.
Die 935 fielen auch in jene
Zeit, als
in der Formel 1 ein neuer
Mann
auftauchte. Walter Wolf
ist Austro-
Kanadier, spricht den lyrischen
steirisch-englischen Dialekt
und
war im Windschatten von
Off-shore-
Ölbohrungen ziemlich
reich geworden,
mit der üblichen Tellerwäscher-Aus-
wanderer-Karriere. 1977
war er in der
Formel 1, mit aller Kraft
des erfolg-
reichen Selfmademillionärs,
und die
zeigt ja stets in Richtung
Gewinn.
Jody Scheckter gewann beim
ersten
Einsatz den ersten Grand
Prix für
Wolf - die Welt war um eine
Legende
reicher. |
Nach drei Jahren, einer
knapp
verpaßten Weltmeisterschaft
und drei Grand Prix-Siegen
war
die Lust am Formel 1-Spielzeug
verpufft. Wolf verlagerte
sein Be-
dürfnis nach Wettbewerb
in den
privaten Bereich und klopfte
1983
bei Porsche Kremer in Köln
an.
Er hätte gerne einen
935, im
Mitternachtsblau seiner
Rennwagen
und mit dem roten W-Wolf-Zeichen
auf Fronthaube, Heck und
Flanken.
Die Kremers, 935-Tuner von
hohen
Gnaden, antworteten sinngemäß:
Im Prinzip kein Problem,
man müsse
nur wissen, mit welcher
Fahrwerks-
abstimmung der Wagen geliefert
werden solle: Le Mans, Daytona
oder
Nürburgring? Wolf antwortete
knapp:
Straße, Landstraße,
Bundesstraße,
Staubstraße, Autobahn,
Schnellstraße
- was es halt so an Straßen
gäbe für
einen 935 mit amtlichen
Polizeikenn-
zeichen. Geld wäre
dabei nicht das
größte aller
Probleme. |
Zirka 300 000 Mark später
war der
einzige straßentaugliche
Porsche
935 fertig. Der Kontakt
zwischen
Bauherren udn Auftraggeber
war
freundschaftlich geworden
und
verlief meistens so: "Walter,
wie
willst du Kupplung und Bremse,
wir
können dir ja alles
individuell einstel-
len?" - "Wie im Rennwagen."
-
"Schaltung und Getriebe?"
-
"Wie im Rennwagen"... und
so weiter.
Der Wolf-935 ist um etwa
150 Kilo-
gramm schwerer als eine
reine
Rennausführung, hauptsächlich
wegen
der Stereoanlage mit 16
Lautsprechern
und etwas Holz und Dämm-Material
unter der hinteren Abdeckung
über der
Motorhaube. Wolf hatte sich
, als
kavalierhafte Verbeugung
vor Schön-
heitsköniginnen am
Beifahrersitz auch
eine Klimaanlage gewünscht,
weil seine
Lieblingsstraßen eher
im mediterranen
Klima lägen, und die
Kremers hatten
sehr sachlich geantwortet:
"Walter, es
ist technisch besser, wenn
du mit einem
Polohemd fährst." |