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Das blaue Wunder  (2) AMS        13/1986
Teils, teils ist eine präzise,
erschöpfende Antwort auf alle 
Fragen. Bei einem Porsche 935
vergessen auch existentialische 
Fotomodelle ihre noble Blässe 
und erkundigen sich ganz bei-
läufig und ziemlich technisch:
Dampfrad? Ladedruck? Ideale 
Ladelufttemperatur? Braucht man 
im Straßenverkehr kleinere Lader 
als auf der Autobahn? Gibt`s für 
Ku`damm und Kö verschiedene 
Fahrwerksabstimmungen? 740 
PS, das müßten 544 Kilowatt 
sein? Wie geht der denn so, mit 
1,4 bar Ladedruck und 8000/min? 
Wie kann man sich in unseren 
bürgerlich geregelten Umlaufbahnen 
schon vorstellen unter einer derart 
galaktischen Leistung von 740 PS, 
vor allem: Wie könnte es der ge-
neigte Sportfahrer und Formel 1-
und Gruppe C-Erfahrung erleben?
Die wirklich guten Wortbilder,
irisierende Kaskaden von philo-
sophischer Transparenz, enden 
bei 500 PS. An 740 PS kann 
man sich nur mehr in betonter 
Sachlichkeit herantasten, etwa so: 
Rein mathematisch entsprechen 
die 740 PS eines straßenzuge-
lassenen Porsche 935- Rennwa-
gens der Summe aus einem 
Ferrari GTO (400 PS), einem 
Porsche Turbo (300 PS) und 
einem schnuckeligen Kleinwagen, 
zum Beispiel dem Suzuki Alto 
(40 PS).
Nüchtern ausgedrückt, geht dieser 
935 eines gewissen Walter Wolf wie 
die Sau, wie die berühmte gesengte 
natürlich, zusätzlich bestückt mit 
zwei KKK-Abgasturboladern, einer 
Sidewinder-Rakete und einer Pratt 
& Whitney-Turbine samt Nachbrenner, 
noch dazu in mitternachtsblau. Als 
technische, sogar berechenbare Vision 
sind 740 PS ein glitzernder Fixstern.
Ein bißchen jenseits der Vorstell-
ungskraft, aber innerhalb des Son-
nensystems einer Porsche 935.
In der zweiten Hälfte der siebziger 
Jahre, nach dem Ende der Sport-
wagen- und Prototypen-Ära in den 
Langstreckenrennen, wuchs eine 
neue Rasse von Rennwagen aus 
dem aktuellen Reglement, die GT-
Autos der Gruppen 4 und 5. Aus-
gangspunkt waren sportliche Autos 
aus einer gut durchblutenden Serien-
produktion, Endpunkt war eine 
Silhouetten-Formel, in der der Seiten-
riß eines Porsche 935 noch eine 
entfernte, aber streng definierte 
Ähnlichkeit mit der Basis 911 
haben mußte. Zum Beispiel: Motor, 
Sechszylinder, Boxer, hinten. Porsche 
hatte die beste Basis aus der Serie,
die beste Rennabteilung für die Ent-
wicklung und eine Menge reicher 
Rennfahrer-Kunden, denen der Umsatz 
im Porsche- Entwicklungszentrum 
Weissach ziemlich am Herzen lag.