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  24 Heures du Mans (2)
 
 
Endlich war der Zeiger der Uhr an Start und Ziel 
auf 16 Uhr gesprungen. Jubelnd fielen sich 
Mechaniker und Ingenieure der Porsche-Werks-
mannschaft in die Arme. Plötzlich war die Müdig-
keit, die allen Beteiligten spätestens seit der
Morgendämmerung in den Knochen steckte, wie 
weggeblasen. Mittendrin im großen Trubel der 
Vorstandsvorsitzende Prof. Fuhrmann, bei dem 
man nicht recht wusste, ob die Tropfen, die er 
sich aus den Augen wischte, tatsächlich von 
einer der hastig geöffneten Sektflaschen 
stammten.
Keine Fernsehkamera fing diese Szenen ein, 
denn gewonnen hatten die Schwaben die 24 
Stunden von Le Mans nicht. Das Publikum feiert 
überschwenglich das Team von Jean Rondeau, 
der zusammen mit Jean-Pierre Jaussaud auf 
seiner Eigenkonstruktion dieses bedeutendste 
Langstreckenrennen der Welt als Sieger beendet 
hatte. Eine Geschichte wie aus dem Märchen, so 
richtig geschaffen für eine rührende Illustration-
Story. Rondeau stammt aus Le Mans, stand 
natürlich schon als kleiner Junge an der Piste, 
träumte davon, gerade hier einmal zu gewinnen.
Nur für dieses Jahr baut er seines Autos, in einer 
kleinen Werkstatt mit acht Mitarbeitern. Das Geld 
müsse er sich immer mühsam zusammenkratzen, 
so hatte er vor dem Rennen gestanden, und 1980 
müsse er schon deshalb gewinnen, 
um die Schulden von 1979 bezahlen zu können. 
Was gab es da für die Porsche-Truppe zu jubeln? 
Nun, feierte Rondeau die Erfüllung eines langge-
träumten Traumes, so galt der Schluck aus der
Pulle bei den Schwaben der Zukunft. Mit drei 
brandneuen Wagen vom Typ 924 Turbo war man 
ausgezogen, das erste Kapitel der motorsport-
lichen Geschichte der neuen Porsche-Generation 
zu schreiben. Am Ende hatten nicht nur alle drei 
Wagen die mörderische Distanz überstanden, 
sondern mit Fahrern Jürgen Barth und Manfred 
Schurti auch einen nie erwartenden sechsten Platz
in der Gesamtwertung sowie die Plätze 12 und 13 
errungen. Es hätte sogar noch für einen besseren
Platz gereicht, wäre nicht ein vorwitziges Häschen 
ausgerechnet in dem Moment über die Fahrbahn 
gerannt, als Jürgen Barth mit der Höchstgeschwin-
digkeit von 290 km/h heranraste. Der Mümmelmann 
büsste seinen Leichtsinn mit dem Leben, der Porsche 
musste einen längeren Stopp einlegen, um den zer-
störten Wasserkühler auszutauschen. Ernstere 
Probleme gab es allerdings für die beiden übrigen 924,
die alle ständig voll gefahren wurden. Innerhalb weniger
Minuten mussten das Amerika- und das England-Auto 
mit je einem durchgebrannten Ventil an die Boxen. Die 
Ingenieure wussten sich zu helfen und legten jeweils 
den betroffenen Zylinder still. Der Sound war danach 
nicht gerade mehr kernig zu nennen, aber selbst mit 
nur noch drei intakten Töpfen wurden die restlichen 
sechs Stunden überzeugend überstanden.