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Im Spiegel der Zeit (3)                   Artikel aus AMS 10/86
 
 
 
Eine Porsche-Untersuchung ergab:
Bei Tempo 230 hat die Abtriebskraft
beim Porsche 962 C bereits die
Größenordnung des Eigengewichts
(etwa 950 Kilogramm einschließlich
vollem Tank plus Fahrer) erreicht.
Der alte 917 braucht 300 km/h, bis
sich eine Abtriebskraft aufbaut, die
seinem Gewicht entspricht.
Auf der Rennstrecke umgesetzt:
Der 962 C meistert Querbeschleu-
nigungen bis zum Zweieinhalbfachen      
der Erdanziehungskraft (2,5g) und
erreicht beispielsweise im südfranzö-
sischen Paul Ricard Rundenzeiten,
die vier Sekunden unter den 917-er
Bestwerten (aufgestellt von der
stärksten 917-Variante, dem 917/30
mit 1000 PS-Turbomotor) liegen.
Nicht, daß jetzt der Verdacht auf-
kommt, der 917 hätte nie einen
Windkanal von innen gesehen.
Wie bei allen Porsche-Sportwagen,
so hieß auch hier die erste Pflicht-
lektion: Aerodynamik - und das
praktisch von klein auf, zuerst als
1:5-Modell, später im ausgewachs-
enen Zustand.
         
Porsche 917: der Zwölfzylinder
leistet 600 PS
Und die Aerodynamiker bei Porsche
waren damals keineswegs einfältige
Burschen. Sie gaben dem 917 ein aus-
geklügeltes Spoilersystem mit auf dem
Weg. Klappen an Bug und Heck, die je
nach Radbewegung aufgerichtet oder
flachgestellt wurden. Drohte der Wagen
beispielsweise über eine Kuppe einmal
abzuheben, dann stellten sich mit dem
Anfedern der Räder gleichzeitig die
Spoilerklappen steil in den Wind. 
Schade, daß der feine Trick schnell
verboten wurde. An die Aerodynamik-
Streiche der Gegenwart hätte er aber
mit Sicherheit ohnehin nicht herange-
reicht.
Das Geheimnis hinter den sensation-
ellen Abtriebswerten am Porsche 962 C
heißt schlicht "ground effect".  Die
Formel 1 hat die Revolution mit den
"wing cars" eingeleitet. Beim "wingcar"
wird durch ein umgedrehtes Flügel-
profil an der Wagenunterseite ein Unter-
druck ("ground effect") erzeugt, der das
Rennauto regelrecht an die Fahrbahn
saugt. Der revolutionäre Parterre-Akt
war im Fall Porsche allerdings eine 
etwas schwierige Übung.