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 Im Spiegel der Zeit (2)                     Artikel aus AMS 10/86
 
 
 
Die beiden Autos wurden bei der-
selben Firma für dieselbe Rennserie 
konzipiert  - und doch stecken die 
voller Gegensätze. Der Oldtimer hat
ein Rohrrahmen-Chassis, die aktuelle Rennkonstruktion ein Monocoque. 
Früher favorisierte man einen Zwölf-
zylinder-Saugmotor, heute besorgt 
ein Sechszylinder-Biturbo den Vor-
trieb.Selbst ihre Definition im Sport-
gesetz trägt unterschiedliche We-
senszüge: Der Porsche 917 siegte
als "Serien-Sportwagen bis fünf Liter
Hubraum". Mindestens 25 Exemplare
mußten für die Homologation auf die
Räder gestellt werden. Der Regel-
rahmen erlaubte ein Mindestgewicht
von 800 Kilogramm und einen maxi-
malen Tankinhalt von 140 Litern. Das
Reglement hatte aber auch kuriose 
Forderungen parat: Es verlangte ne-
ben einem Fahrersitz und einem Bei-
fahrersitz und einem Reserverad auch 
einen Norm-Kofferraum - als ob 
irgendeiner auf die Idee hätte kom-
men können, mit einem Porsche 917
an die Riviera zu düsen. Aber das 
Sportgesetz kannte kein Pardon. 
Zwei Koffer im Format 60 x 40 x 20 
Zentimeter mußten irgendwo ins 
Auto passen.
      
Porsche 962 C: ein Bleckmonocoque als
stabile Kernzelle.
 
 
 
 
 


Ein Sechszylinder-Biturbo für den satten
Vortrieb

Eine gewisse Liberalisierung der Gesetzgebung ist heute schon zu
spüren. Den Porsche 962 C definiert
das Gesetzbuch als einen Sportwa-
genprototypen, der ausschließlich für 
Rennen auf abgesperrten Rennstrek-
ken konzipiert ist. Aber auch er muß
neben dem Fahrersitz noch eine leich-
te Plastikschale im Inneren tragen
- eine langbeinige Blondine wird sich 
aber sicher nie dorthin verirren.
Der aktuelle Porsche muß 50 kg mehr
auf die Waage bringen als sein alter 
Vetter. Ein weiteres Handikap:
Das Verbrauchsreglement gestattet 
nur 510 Liter für 1000 Kilometer.
Auf den ersten Blick finden sich zu-
mindest optische Parallelen. Beide
haben die klassisch aggressive Sportwagen-Silhouette, flachgeduckt,
mit üppig abgerundeten Radverklei-
dungen vorn, die kuppelartige Pan-
oramascheibe des Cockpits, dahinter 
die langgestreckte Kunststoffabdek-
kung des Maschinenabteils, die 
schließlich in einem ordentlichen 
Heckflügel gipfelt. Glaubt man aller-
dings den Zahlenspielen der Aero-
dynamiker, dann trügt der erste Blick gewaltig. Einmal vom Fahrtwind um-
strömt, trennen die beiden Konstruk-
tionen Welten.